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Heiliger oder Fanatiker?

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Pater Vojtěch Chanovský, Heiliger oder Fanatiker?

Den Jesuitenorden (Societas Jesu - Gesellschaft Jesu) gründete 1534 in Paris baskischer Adeliger Ignatius von Loyola (1491 - 1556) gemeinsam mit einigen Gefährten vom Universitätsstudium (Franz Xaverius, Peter Faber, Simon Rodrigez und andere). 1540 wurde der Orden offiziell vom Papst Paul III. bestätigt. In der Krisenzeit des europäischen Christentums stellten die Jesuiten einerseits eine Wiederbelebungsströmung in der katholischen Religion dar, andererseits wurden sie nach dem Aufschwung der protestantischen Reformation bald zum Hauptträger der Rekatholisierung und Gegenreformation.

Alls eine auf Apostelaufgaben konzentrierte Ordensgemeinschaft wirkte die Gesellschaft Jesu besonders im Schulwesen, aber auch in vielen Bereichen der Wissenschaft, Kultur und Kunst. Charakteristisch für den Orden war eine bedeutende Missionstätigkeit auf den neuentdeckten Kontinenten. In der Barockzeit waren die Jesuiten die meistverbreitete Ordensgemeinschaft der katholischen Kirche mit beträchtlichem gesellschaftlichem Einfluss in der ganzen damals bekannten Welt. Dieser Einfluss wurde immer mehr Ziel der Kritik und des Neides auch innerhalb des katholischen Lagers. In der Atmosphäre des sich durchsetzenden Absolutismus und der entstehenden Aufklärung im 18. Jahrhundert löste Papst Klement XIV. - auf Drängen der westeuropäischen Königshöfe - 1773 den Orden auf.

Der aufgelöste Orden blieb eine gewisse Zeit noch in den nichtkatholischen Reichen erhalten - im protestantischen Preußen und im orthodoxen Russland. Hier wirkte er weiter als ein sich dem Schulwesen widmender Orden. Im Rahmen der Restaurationstendenzen wurde der Jesuitenorden vom Papst Pius VII. erneuert, zuerst 1804 nur für das Neapolitanische Königtum und 1814 für die ganze Welt.

Nach Böhmen kamen die Jesuiten im Jahre 1556, in Prag gründeten sie ihr Kollegium des hl. Kliments an der Karlsbrücke. Von hier aus verbreitete sich der Orden weiter nach Böhmen und Mähren (1566 Olomouc, 1578 Brno, 1584 Český Krumluv usw.). Die ersten Ordenshäuser gehörten noch der österreichischen Provinz an, die selbstständige tschechische Provinz entstand 1623.

In den tschechischen Ländern des 16. - 18. Jahrhunderts war das Wirken der Jesuiten bedeutend mit Machtunterstützung des habsburgischen Kaiserhofes verbunden. Die Rolle, die sie während der rekatholisierenden Unterdrückung nach der verlorenen Schlacht auf dem Weißen Berg spielten, stellt im tschechischen Kollektivbewusstsein ein unauslöschbares Trauma dar. Trotzdem leisteten die Jesuiten auch einen positiven Beitrag zur Entwicklung der tschechischen Kultur und Bildung (Universitäten in Prag und Olomouc, Persönlichkeiten wie Historiker B. Balbín, Dichter B. Bridel und andere), sie gewannen Berühmtheit für den tschechischen Namen auch in Übersee (in China Astronom K. Slavíček, auf den Filipinen Botaniker J. Kamel usw.). In der Zeit ihres Aufschwungs hatte die tschechische Provinz 1 125 Mitglieder, die in mehr als 40 Ordenshäusern tätig waren.

Nach der Erneuerung des Ordens kamen die Jesuiten nach Böhmen verhältnismäßig spät, erst nach der Hälfte des 19. Jahrhunderts. Außer in Prag (seit 1866) wirkten sie hauptsächlich auf dem Lande - sie gründeten ein Gymnasium in Bohosudov (1853) und verwalteten mährische Pilgerorte Hostýn (1887) und Velehrad (1890) - hier gründeten sie später ein Papstkollegium mit Gymnasium und erst im 20. Jahrhundert kamen weitere Wirkungorte hinzu - Hradec Králové, Český Těšín, Opava, Benešov, Děčín, Brno. Die Jesuiten arbeiteten weiterhin vor allem im Schulwesen.

Im Jahre 1950 beendete das kommunistische Regime mit Gewalt die Tätigkeit der Ordensgemeinschaften, also auch der damals in Böhmen und Mähren wirkenden 215 Jesuiten.

Die Gesellschaft Jesu ist mit ihren fast 20 000 Mitgliedern bis heute weltweit die größte Ordensgemeinschaft der katholischen Kirchet. In der Tschechischen Republik wirken heutzutage 76 Ordensmitglieder in 7 Ordenshäusern : Prag, Kolín, Brno, Olomouc, Český Těšín, Hostýn und Velehrad. Sie beschäftigen sich mit Pastoration unter Universitätsstudenten, verwalten Pilgerorte und Pfarreien, unterrichten Theologie, bieten geistige Übungen und wirken auch in Medien.

Bearbeitet von P. Petr Havlíček, SJ

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